Turgut Pencereci fehlt!
Abschied von einem Freund …
So um das 50. Lebensjahr herum bemerkt man, dass immer mehr gute Freunde und Menschen, die man teilweise seit vielen Jahren kennt, gehen. Dies ist ein schleichender Prozess und irgendwann wird einem bewusst, dass an dem alten Satz – „Die Einschläge kommen näher“ – etwas dran ist und dass auch die eigene Uhr tickt. Anfänglich erschreckt einen diese Erkenntnis, aber wie an alles im Leben gewöhnt man sich daran. Man nimmt diese Einschläge zur Kenntnis, reflektiert den einen oder anderen auch etwas intensiver, fügt sich aber schlussendlich doch in die Unerbittlichkeit des Seins.
Und dann gibt es aber auch Nachrichten, die treffen einen trotzdem völlig unerwartet wie ein Donnerschlag und werfen dich für mehr als eine kurze Schrecksekunde selbst ein Stück aus der Bahn. Ein solcher Donnerschlag hat mich am Dienstag dieser Woche ereilt, als ich bei der abendlichen Zeitungslektüre die Nachricht las, dass „ein bekannter Wassermanager des Landes Brandenburg“ ums Leben gekommen sei. Wie ein elektrischer Stich, der durch den ganzen Körper fährt, fing ich an, hektisch in dem Artikel mit der unweigerlich vorhandenen Vorahnung nach dem Namen zu suchen. Und tatsächlich: Turgut Pencereci ist tot!
Ich habe tatsächlich ein paar Tage gebraucht, diese Nachricht einzuordnen und mit einem gewissen Abstand bin ich nun fast doch erleichtert, dass wir uns drei Wochen zuvor beim „Brandenburgischen Sommerabend“ mit einer zwischen uns geübten Formel verabschiedet haben. Ich witzelte ihm vor, dass er ja ohne Fallschirm in ein Flugzeug steigt und er antwortete wie üblich: „Wie kann man so verrückt sein, mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug zu springen?“ Eben die seit vielen Jahren zwischen uns übliche Frotzelei zwischen einem Piloten und einem Fallschirmjäger. Turgut war tatsächlich ein begeisterter Sportpilot und wäre in seinem Leben nicht auf die Idee gekommen, aus einer Maschine herauszuspringen.
Aber er war nicht nur das. Er war seit der politischen Wende und der Bildung der ersten NGOs in Brandenburg eine feste und schon seit langem nicht wegzudenkende Konstante im verbandspolitischen Geschäft. Er war nicht „ein Wassermanager“ des Landes, er war „der Wassermanager“ des Landes.

Welche Qualität und Bedeutung er dabei hatte, wird deutlich, wenn ich selbst an eine kurze Geschichte zurückdenke, die sich im Zuge der letzten Novelle des Wassergesetzes ereignet hat. Als wir damals von Seiten der Verbände den Textvorschlag für eine Gesetzesnovelle der Präsidentin des Landtages übergaben, machte er das mit der Erzählung, dass er im Prozess der Erstellung dieses Papiers lange Zeit nicht daran geglaubt hätte, dass es uns das überhaupt gelingt. Zu divers und zu vielfältig wären die Interessen der beteiligten Verbände gewesen und so manche unserer Sitzungen hätten zu später Stunde damit geendet, dass er in dem festen Bewusstsein nach Hause gefahren sei: Es ist vorbei! Aber immer dann hätte es, meistens noch in der Nacht, einen Anruf von Gregor Beyer gegeben und am nächsten Morgen sei es weitergegangen.
Ich muss gestehen, ich habe mich damals über diese Darstellung gefreut. Aber sie macht auch deutlich, welcher Verdienst Turgut in dieser schwierigen Phase zugekommen ist. Denn unterschiedlichste Interessen kann man selbst nur dann zusammenbinden, wenn es wenigstens einen gibt, der sich jederzeit bei aller verbandspolitischen Interessenlage über die gemeinsame Verantwortung für etwas viel Größeres bewusst ist. Und genau diese Qualität besaß Turgut Pencereci!
Bestimmt in der Sache, unmissverständlich klar die Interessen des Landeswasserverbandstages vertretend, aber insbesondere auch als Jurist wissend, dass es zwischen den Interessen noch etwas Höheres gibt. Man könnte sagen, das Interesse des Landes oder konkret das öffentliche Interesse am essentiellen Schutzgut Wasser, das uns selbst bei schwierigsten Entscheidungen dazu zwingt, einen Kompromiss zu finden. Wie oft habe ich ihm diesbezüglich gesagt: „Turgut, du weißt, ein Kompromiss ist erst dann gut, wenn er allen gleichermaßen wehtut.“ Dann grinste er immer und ich konnte mir sicher sein, er sah das ganz genauso.
Turgut Pencereci hat sich nicht nur um die Themen Landschaftswasserhaushalt und Siedlungswasserwirtschaft ungemein verdient gemacht. Er war ein ruhender Pol, eine Konstante der brandenburgischen Landespolitik bei einem tatsächlich essentiellen Thema. Es ist kaum vorstellbar, wie es ohne ihn weitergehen soll. Es gibt sie, diese Menschen, nach deren Weggang erst einmal alles stillsteht. Turgut ist einer von diesen gewesen!
Mach es gut Turgut!

